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Versandkostenfrei ab X € in Shopify einstellen

Shopify bietet zwei Wege für „versandkostenfrei ab X €“: den Versandtarif und den Rabatt. Welcher Weg wann passt.

Daniel Ha
Zwei Versandtarifstufen mit einer Lücke dazwischen: Stufe A bis 49,99 Euro, Stufe B ab 50,01 Euro, und ein Warenkorb von genau 50,00 Euro, der in keine der beiden Stufen fällt

Für „versandkostenfrei ab X €“ gibt es in Shopify zwei getrennte Wege, und sie ersetzen einander nicht. Der erste ist ein nach Bestellwert gestaffelter Versandtarif, den Sie unter „Versand und Zustellung“ anlegen: Er läuft dauerhaft und gilt für alle, die in dieser Versandzone bestellen. Der zweite ist ein Rabatt vom Typ „Kostenloser Versand“ mit der Bedingung „Mindestkaufbetrag“: Er lässt sich befristen und über die Berechtigung auf „Kundensegmente“ oder „Märkte“ eingrenzen.

Eines haben beide Wege gemeinsam, und Shopify formuliert es in der Hilfe zum Rabatttyp unmissverständlich: Die Schwelle gilt immer für den gesamten Warenkorb.

Dass der Warenkorb den Fortschritt dorthin nicht von selbst anzeigt, hat einen eigenen Grund: der Fortschrittsbalken gehört zum Theme, nicht zu den Rabatten. Auf eine einzelne Kategorie lässt sie sich mit Bordmitteln nicht begrenzen, auf keinem der beiden Wege.

Damit ist die eigentliche Frage nicht „wo klicke ich“, sondern „welcher der beiden Wege passt zu meinem Fall“. Die Hilfeseiten beschreiben beide Wege einzeln und sauber, stellen sie aber nie nebeneinander.

Genau das macht dieser Beitrag, samt den Stellen, an denen der jeweilige Weg an seine Grenzen stößt.

Versandkostenfrei ab einem Betrag in Shopify: Versandtarif oder Rabatt?

Die kurze Regel lautet so. Brauchen Sie eine Laufzeit, weil die Aktion nur zwei Wochen laufen soll, oder eine Eingrenzung auf eine bestimmte Gruppe, führt kein Weg am Rabatt vorbei.

Soll „versandkostenfrei ab 50 €“ dagegen einfach die Regel Ihres Shops sein, ist der Versandtarif der kürzere und robustere Weg, weil er keinen Code braucht, mit keinem anderen Rabatt um den Vorrang kämpft und nicht ausläuft.

Merkmal Weg 1: Versandtarif, gestaffelt nach Bestellwert Weg 2: Rabatt vom Typ „Kostenloser Versand“
Wo Sie es anlegen Einstellungen, dann „Versand und Zustellung“, dann Versandprofil und Versandzone „Rabatte“, dann „Rabatt erstellen“
Name der Bedingung Tarifart „Bestellwert“ mit den Feldern „Minimum“ und „Maximum“, alternativ die Option „Kostenlosen Versand anbieten“ mit Mindestbetrag „Mindestkaufbetrag“ oder „Mindestanzahl von Artikeln“
Laufzeit dauerhaft, es gibt kein Start- und kein Enddatum befristet möglich, über den „Aktivitätszeitraum“
Nur für bestimmte Kundschaft nein ja, über „Berechtigung“ mit den Optionen „Märkte“, „Kundensegmente“ oder „Bestimmte Kund:innen“
Regionale Eingrenzung über die Versandzone, in der der Tarif liegt über „Alle Länder“ oder „Ausgewählte Länder“
Teure Tarifstufen ausnehmen entfällt, Sie legen jede Stufe ohnehin selbst an Kontrollkästchen „Versandtarife über einem bestimmten Betrag ausschließen“
Mit oder ohne Code kein Code, der Tarif greift immer „Rabattcode“ oder „Automatischer Rabatt“
Zusammenspiel mit anderen Rabatten nicht betroffen, ein Tarif ist kein Rabatt Block „Kombinationen“, die Aktion zählt als Versandrabatt
Begrenzung auf eine Kategorie nein nein

Ein Hinweis zur Sprache, weil sonst zwei Dinge durcheinandergeraten. „Versandkosten im Checkout“ meint in diesem Beitrag immer den Betrag, den Ihre Kundschaft zahlt. „Versandkosten an den Versanddienstleister“ meint den Betrag, den Sie selbst zahlen. Beide Größen kommen vor, die zweite vor allem im letzten Abschnitt.

Wie oft der Fall mit der Eingrenzung auf eine bestimmte Gruppe vorkommt, sieht man in den deutschsprachigen Foren.

Ein Händler beschreibt sein Ziel in einem Thread so: „Wir möchten einen kostenfreien Versand an spezifische (manuell oder per Tag ausgewählte) Kunden binden und das automatisch, d.h. die Kunden sollen nicht im Checkout einen Rabatt-Code eingeben müssen.“

Die Antworten in diesem Thread verweisen auf Apps und auf eigenen Code, eine Lösung mit Bordmitteln steht dort nicht. Mit dem Versandtarif ist das bis heute nicht zu machen, denn der kennt nur die Versandzone und nicht die Person.

Über die „Berechtigung“ eines automatischen Rabatts dagegen schon: Ein automatischer Rabatt in Verbindung mit einem Kundensegment ist genau der dafür vorgesehene Weg.

Wie stelle ich in Shopify versandkostenfrei ab einem Betrag ein?

Über einen Versandtarif in der passenden Versandzone. Sie brauchen dafür nur einen kleinen Ausschnitt der Versandeinstellungen, nämlich den Weg von der Versandzone zum Tarif. Dort legen Sie Ihre Versandkostenfreigrenze fest, und dort steht sie danach dauerhaft.

  1. Öffnen Sie „Einstellungen“ und dann „Versand und Zustellung“.
  2. Wählen Sie das Versandprofil. In den meisten Shops ist es das allgemeine Versandprofil, in dem alle Produkte liegen.
  3. Wählen Sie die Versandzone, für die die Regel gelten soll, etwa Deutschland, und klicken Sie auf „Versandoption hinzufügen“.
  4. Im Drop-down-Menü „Tarifart“ stehen unter anderem „Pauschale“, „Bestellwert“ und „Gewicht“. Für die Versandkostenfreigrenze gibt es jetzt zwei Varianten.
  5. Variante A, der kurze Weg: Sie bleiben bei Ihrem Tarif und aktivieren darin die Option „Kostenlosen Versand anbieten“. Shopify beschreibt das Feld daneben in der Hilfe zu Versandtarifen als den Mindestbetrag, ab dem sich eine Bestellung für den kostenlosen Versand qualifiziert.
  6. Variante B, gestaffelt: Sie wählen als Tarifart „Bestellwert“ und legen zwei Stufen an. In der unteren Stufe tragen Sie bei „Minimum“ 0 ein, bei „Maximum“ einen Betrag knapp unter Ihrer Schwelle, dazu Ihren normalen Versandpreis. In der oberen Stufe tragen Sie bei „Minimum“ Ihre Schwelle ein, lassen „Maximum“ leer und setzen den Preis auf 0.
  7. Speichern Sie und prüfen Sie das Ergebnis mit einer Testbestellung, einmal knapp unter der Schwelle und einmal genau auf der Schwelle.

Zwei Punkte gehören direkt hinter diese Schritte, weil sie über den einzelnen Tarif hinaus gelten.

Der Tarif läuft dauerhaft. Ein Start- und Enddatum gibt es hier nicht. Eine zeitlich begrenzte Aktion bilden Sie damit nur ab, indem Sie den Tarif selbst wieder ändern, und im Alltag denkt daran zuverlässig niemand mehr.

Der Tarif gilt für alle in dieser Zone. Wer bestellt, spielt für den Tarif keine Rolle, entscheidend ist allein die Lieferadresse. Eine Regel wie „versandkostenfrei nur für unsere Geschäftskunden“ lässt sich so nicht abbilden.

Worauf Shopify den Bestellwert bezieht, und was für deutsche Shops offenbleibt

Diese Frage entscheidet, ob ein Warenkorb Ihre Schwelle erreicht. Ein Teil der Antwort ist dokumentiert. In der Shopify-Hilfe zur Fehlersuche bei Versandtarifen steht: „Der Checkout ermittelt die Versandtarife basierend auf dem Gesamtwert des Warenkorbs nach Abzug von Rabatten, aber vor Anfall von Steuern.“

Der erste Teil des Satzes hat eine unmittelbare Folge für den Alltag: Ein Rabattcode, der den Warenkorb unter Ihre Schwelle drückt, nimmt der Bestellung auch den kostenlosen Versand.

Ein Warenkorb von genau 55 € netto, auf den ein Zehn-Prozent-Code angewendet wird, liegt bei 49,50 € netto und damit unter einer Schwelle von 50 € netto. Für Ihre Kundschaft sieht das im Checkout nach einem Fehler aus, es ist aber die dokumentierte Rechenreihenfolge.

Der zweite Teil des Satzes ist weniger eindeutig, als er klingt. Für Shops mit Nettopreisen ist er klar. Offen bleibt er dort, wo die Preise brutto ausgezeichnet sind und Shopify die Steuer im Preis führt, also in einem Shop für Endkundschaft: Dort sind die Preise Bruttopreise, die Umsatzsteuer ist bereits enthalten.

Ob ein Warenkorb von 50,00 € brutto dann mit 50,00 € oder mit 42,02 € netto auf die Schwelle angerechnet wird, sagt weder die deutsche noch die englische Hilfeseite.

Raten Sie das nicht, sondern klären Sie es in zehn Minuten: Setzen Sie die Schwelle testweise auf einen Betrag, den Sie leicht erreichen, füllen Sie einen Warenkorb exakt bis zu diesem Bruttobetrag und sehen Sie im Checkout nach, ob der Tarif mit 0 € angezeigt wird.

Halten Sie das Ergebnis für Ihren Shop schriftlich fest, bevor Sie die Versandkostenfreigrenze endgültig festlegen.

Wie richte ich den Rabatt „Kostenloser Versand“ mit Mindestkaufbetrag ein?

Der zweite Weg liegt an einer ganz anderen Stelle im Adminbereich, und er ist ein eigener Rabatttyp.

Im deutschen Adminbereich stehen vier Typen gleichrangig nebeneinander:

  • „Betrag vom Produkt abziehen“
  • „Betrag von der Bestellung abziehen“
  • „Kaufe X, erhalte Y“
  • „Kostenloser Versand“

Der kostenlose Versand ist also keine Option innerhalb eines Produktrabatts, sondern ein Typ für sich.

  1. Klicken Sie unter „Rabatte“ auf „Rabatt erstellen“ und wählen Sie als Typ „Kostenloser Versand“.
  2. Unter „Methode“ entscheiden Sie sich für „Rabattcode“ oder „Automatischer Rabatt“. Ein automatischer Rabatt greift ohne Code-Eingabe, und genau das ist die Antwort auf den Wunsch nach kostenlosem Versand für ausgewählte Kundschaft.
  3. Im Block „Länder“ wählen Sie „Alle Länder“ oder „Ausgewählte Länder“.
  4. Im Block „Versandtarife“ aktivieren Sie das Kontrollkästchen „Versandtarife über einem bestimmten Betrag ausschließen“ und tragen den Betrag ein.
  5. Unter „Mindestkaufanforderungen“ wählen Sie entweder „Mindestkaufbetrag“ oder „Mindestanzahl von Artikeln“, nicht beides.
  6. Unter „Berechtigung“ wählen Sie statt „Alle Kund:innen“ die Option „Märkte“, „Kundensegmente“ oder „Bestimmte Kund:innen“, falls die Aktion nicht für alle gelten soll.
  7. Im Block „Kombinationen“ geben Sie frei, mit welchen anderen Rabattklassen die Aktion kombiniert werden darf.
  8. Unter „Aktivitätszeitraum“ legen Sie Start und, falls gewünscht, Enddatum fest.

Das Feld „Mindestkaufbetrag“ ist dabei kein Sonderfall dieses Rabatttyps, sondern dieselbe Bedingung, die Shopify für mehrere Rabattarten verwendet. Sie steuert auch eine Zugabe ab einem Bestellwert, dort allerdings innerhalb des Rabatttyps „Kaufe X, erhalte Y“.

Ein Kontrollkästchen in dieser Liste ist leicht zu übersehen, und es kostet echtes Geld. Ohne „Versandtarife über einem bestimmten Betrag ausschließen“ setzt der Rabatt jeden Versandtarif auf 0 €, den Ihre Kundschaft im Checkout auswählen kann.

Wer neben dem Standardversand auch Express oder einen Tarif für Sperrgut anbietet, verschenkt diese Stufen mit. Tragen Sie deshalb einen Betrag ein, der knapp über Ihrem Standardversand liegt, dann bleibt die teure Stufe kostenpflichtig.

Noch ein Punkt, der beide Wege betrifft: Weder der Tarif noch der Rabatt zeigt im Warenkorb einen Hinweis an, wie viel bis zur Schwelle fehlt.

Ein Text nach dem Muster „Noch 12 € bis zum Gratisversand“ lässt sich in diesen Formularen nicht einstellen, er kommt aus Ihrem Theme oder aus zusätzlicher Logik im Warenkorb. Die Schwelle greift also auch dann, wenn im Warenkorb nichts davon zu sehen ist.

Wie richte ich kostenlosen Versand nur bei bestimmten Produkten ein?

Über ein eigenes Versandprofil. Sie legen die betreffenden Produkte in ein benutzerdefiniertes Versandprofil und geben ihnen dort einen eigenen Tarif, etwa dauerhaft 0 € oder 0 € ab einem Betrag. Shopify erlaubt dafür bis zu 99 benutzerdefinierte Versandprofile, jedes mit eigenen Zonen und eigenen Tarifen.

Dieser Weg löst allerdings eine andere Aufgabe, als die meisten erwarten. Eine Bedingung nach dem Muster „Warenwert dieser Kategorie über 50 €“ entsteht dadurch nicht, denn weder der Versandtarif noch der Rabatt kann die Schwelle auf eine Kollektion oder eine Produktgruppe begrenzen.

Zur Mindestkaufanforderung des Rabatts schreibt Shopify wörtlich: „Beide gelten für alle Produkte.“ In der englischen Fassung derselben Seite steht dasselbe, dort heißen die beiden Bedingungen „minimum purchase amount“ und „minimum quantity of items“, und beide beziehen sich auf den gesamten Warenkorb. Nachlesen können Sie das in der Shopify-Hilfe zum Rabatt für kostenlosen Versand.

Im Forum lässt sich nachlesen, wie Händler an dieser Stelle umdisponieren. Einer beschreibt seinen Plan in einem Thread so: Er wollte einen Produktrabatt anlegen, „der indirekt die Bestellung um die Versandkosten reduziert, da ein Versandkostenfrei-Rabatt nicht auf eine Kategorie beschränkt werden kann.“

Drei Folgen sollten Sie kennen, bevor Sie diesen Weg gehen.

  • Sie ändern den Preis, nicht die Schwelle. Das Profil bestimmt allein, was diese Produkte im Versand kosten. Wer von der Kategorie einen Mindestwert verlangen will, findet dafür kein Feld.
  • Der Rabattweg bleibt außen vor. Der „Mindestkaufbetrag“ eines Rabatts kennt keine Versandprofile. Wer die Gruppe über ein Profil trennt, arbeitet ab da nur noch mit Tarifen.
  • Gemischte Warenkörbe rechnen anders. Liegen Produkte aus zwei Profilen im selben Warenkorb, werden die separaten Versandtarife laut Shopify für jedes Produkt kombiniert, und Ihrer Kundschaft wird im Checkout ein einziger Versandtarif angezeigt. Die Tarife addieren sich also. Ein Händler beschreibt das Ergebnis in einem Thread aus der Praxis: „Ich biete ab 2500€ kostenlosen Versand an. Ich habe allerdings diverse Versandtarife, je nach Produkt. Wenn ich diese Versandtarife erstelle und die Produkte dafür zuweise, berechnet er die Versandkosten immer.“ Der 0-Euro-Tarif des einen Profils setzt sich eben nicht durch, er wird lediglich zum Tarif des anderen Profils addiert.

Wenn Ihre Aktion also zwingend auf eine Kategorie zielen muss, planen Sie sie anders. Drei Wege stehen zur Wahl.

  • Eigenes Versandprofil. Sie geben der Kategorie über ein eigenes Profil einen dauerhaft günstigeren Versand und kommunizieren die Aktion auch genau so.
  • Produktrabatt statt Versand. Sie arbeiten mit einem Produktrabatt statt mit dem Versand.
  • Lösung im Warenkorb. Sie lösen es außerhalb der Bordmittel im Warenkorb.

Warum wird im Checkout keine Versandart angezeigt?

Wer die Schwelle über zwei Tarifstufen abbildet, handelt sich leicht eine Lücke ein, die im Adminbereich völlig unauffällig aussieht.

Ein Beispiel: Stufe A gilt von „Minimum“ 0 bis „Maximum“ 49,99 €, Stufe B ab „Minimum“ 50,01 €. Ein Warenkorb von genau 50,00 € liegt dann in keiner der beiden Stufen.

Laut Shopify-Hilfe zu Versandtarifen findet in diesem Fall kein Tarif Anwendung, und Ihre Kundschaft erhält im Checkout eine Versandfehlermeldung. Dasselbe gilt, wenn eine Bestellung über Ihrer höchsten Stufe liegt und für diese ein Höchstwert festgelegt ist.

Behoben ist das mit zwei Handgriffen. Die Stufen müssen lückenlos aneinander anschließen, also „Maximum“ 49,99 € unten und „Minimum“ 50,00 € oben. Und bei der höchsten Stufe lassen Sie das Feld „Maximum“ leer, damit auch große Bestellungen abgedeckt sind.

Wer die Variante mit „Kostenlosen Versand anbieten“ innerhalb eines einzigen Tarifs nutzt, bekommt dieses Problem gar nicht erst, weil es dort nur eine Stufe gibt.

Zwei weitere Ursachen derselben Art sind schneller geprüft als gesucht. Erstens: Liegt das Lieferland in keiner Ihrer Versandzonen, gibt es für diese Adresse nichts anzuzeigen. Zweitens: Ein Produkt im Warenkorb liegt in einem Versandprofil, das für diese Zone keinen Tarif hat.

Beides fällt im Alltag erst auf, wenn eine Bestellung ausbleibt, und beides lässt sich unter „Versand und Zustellung“ in wenigen Minuten klären.

Welche Nachteile hat kostenloser Versand?

Dass die Schwelle technisch steht, heißt nicht, dass sie sich rechnet. Kostenloser Versand verhält sich anders als ein Prozentrabatt: Er kostet Sie einen festen Betrag je Paket. Ein Prozentrabatt wächst und schrumpft mit dem Warenkorb, die Versandkosten an den Versanddienstleister tun das nicht.

Und der Schaden entsteht nicht dort, wo Sie ihn erwarten: nicht bei den Bestellungen, die Sie mit der Schwelle nach oben ziehen, sondern bei denen, die den Betrag regulär ohnehin erreicht hätten und den Versand jetzt geschenkt bekommen.

Rechnung zum Gratisversand in einem Shopify-Shop: eine hochgezogene Bestellung bringt 19 Cent, eine ohnehin qualifizierte kostet 4,90 Euro Versandkosten
Dieselbe Rechnung als Bild. Weil Versandkosten ein fester Betrag je Paket sind, kippt die Aktion schon bei etwa einer ohnehin qualifizierten Bestellung je 26 hochgezogener.

Dazu ein Rechenbeispiel, ausdrücklich keine Branchenwerte. Außerdem wird angenommen, dass Sie Ihrer Kundschaft den Versand vorher genau zum Selbstkostenpreis berechnet haben, der Versand also weder Gewinn noch Verlust gebracht hat.

  • Versandkosten an den Versanddienstleister: 4,90 € netto je Paket, das sind bei 19 % Umsatzsteuer 5,83 € brutto
  • Regulärer Bestellwert einer Bestellung, die durch die Schwelle hochgezogen wird: 39,00 € brutto, also 32,77 € netto
  • Regulärer Bestellwert einer Bestellung, die die Schwelle ohnehin erreicht: 62,00 € brutto, also 52,10 € netto
  • Schwelle: 50,00 € brutto, also 42,02 € netto
  • Reguläre Rohertragsmarge: 55 %

Gerechnet wird durchgehend mit den gerundeten Nettobeträgen.

Größe im Rechenbeispiel Bestellung, die durch die Schwelle hochgezogen wird Bestellung, die die Schwelle regulär ohnehin erreicht
Regulärer Bestellwert 39,00 € brutto (32,77 € netto) 62,00 € brutto (52,10 € netto)
Bestellwert in der Aktion 50,00 € brutto (42,02 € netto) 62,00 € brutto (52,10 € netto)
Zusätzlicher Rohertrag in der Aktion bei 55 % regulärer Rohertragsmarge 5,09 € netto 0,00 € netto
Versandkosten an den Versanddienstleister, die Sie jetzt selbst tragen 4,90 € netto 4,90 € netto
Veränderung gegenüber dem regulären Rohertrag plus 0,19 € netto minus 4,90 € netto

Die linke Spalte ist der Fall, für den Sie die Aktion machen, und das Ergebnis ist ernüchternd. Der Bestellwert in der Aktion liegt 9,25 € netto über dem regulären Bestellwert, bei 55 % regulärer Rohertragsmarge sind das 5,09 € netto zusätzlicher Rohertrag in der Aktion.

Davon gehen 4,90 € netto Versandkosten an den Versanddienstleister ab. Übrig bleiben 19 Cent netto.

Die rechte Spalte ist der Fall, den niemand einplant. Der Bestellwert in der Aktion ist derselbe wie der reguläre Bestellwert, zusätzlicher Rohertrag entsteht nicht, das Paket kostet Sie trotzdem 4,90 € netto.

Ob die Bestellung bei 62 € brutto oder bei 300 € brutto liegt, spielt keine Rolle, es sind jedes Mal dieselben 4,90 € netto weniger.

Damit ergibt sich die Gewinnschwelle direkt aus dem Beispiel, ganz ohne fremde Zahlen. 0,19 € netto mal die Zahl der hochgezogenen Bestellungen muss 4,90 € netto mal die Zahl der Bestellungen aufwiegen, die die Schwelle regulär ohnehin erreichen.

Das ist erreicht, wenn auf rund 26 hochgezogene Bestellungen genau eine solche Bestellung kommt. Kommt auf 26 hochgezogene Bestellungen mehr als eine davon, liegt der Rohertrag in der Aktion unter dem regulären Rohertrag.

Ob das Verhältnis in Ihrem Shop so liegt, sagt Ihnen nur Ihr eigener Bestellexport. Wie Sie dieselbe Rechnung für einen Prozentrabatt aufstellen und wo dort die Gewinnschwelle liegt, steht im Beitrag zu BOGO und 50 % Rabatt.

Gemeint ist dabei die Gewinnschwelle im Rohertrag, nicht im Gewinn. Verpackung, Retouren und die Arbeitszeit für die Aktion stecken nicht darin, ein Rohertrag von plus/minus null ist also noch kein Gewinn von null.

Ab welchem Bestellwert sich kostenloser Versand lohnt, hängt damit von einem einzigen Verhältnis ab, und für dieses Verhältnis gibt es keinen Branchenwert. Sie lesen es aus dem Bestellexport Ihres eigenen Shops ab.

  • Exportieren Sie die Bestellungen eines Zeitraums ohne laufende Aktion als CSV und bringen Sie die Werte auf dieselbe Basis wie Ihre geplante Schwelle, also entweder alle brutto oder alle netto.
  • Zählen Sie, wie viele Bestellungen den geplanten Betrag regulär schon erreichen. Das ist die teure Seite der Rechnung, und sie steht vollständig im Export.
  • Die zweite Zahl steht dort nicht. Wie viele Bestellungen sich hochziehen lassen, sagt Ihnen kein Export im Voraus. Vor dem Start können Sie also nur eine der beiden Zahlen ermitteln, und das sollten Sie wissen, bevor Sie die Versandkostenfreigrenze festlegen.
  • Messen Sie die zweite Zahl in der Aktion. Vergleichen Sie die Verteilung der Bestellwerte in gleich langen Zeiträumen mit denselben Wochentagen. Der Zuwachs knapp oberhalb der Schwelle, verrechnet mit dem Rückgang knapp darunter, ist Ihre Zahl der hochgezogenen Bestellungen.

Aus derselben Rechnung folgen die beiden Fehler bei der Höhe. Bei einer zu niedrigen Schwelle bezahlen Sie Versand für Umsatz, den Sie ohnehin gemacht hätten, denn fast jede Bestellung fällt dann in die rechte Spalte.

Eine zu hohe Schwelle erreicht niemand, sie steht dann nur noch als Zeile im Shop und ändert an keiner einzigen Bestellung etwas. Zwischen beiden liegt kein Richtwert, sondern die Verteilung Ihrer eigenen Bestellwerte.

Und ein letzter Punkt, der die Rechnung unbemerkt kippen kann: Wenn Ihre Preisliste teure Stufen enthält, etwa Express oder Sperrgut, dann müssen Sie auf dem Rabattweg das Kontrollkästchen „Versandtarife über einem bestimmten Betrag ausschließen“ aktivieren.

Sonst tragen Sie nicht 4,90 € netto je Paket, sondern den Betrag der teuersten Stufe, die jemand auswählt, und dann stimmt keine Zahl in der Tabelle weiter oben mehr.

Häufige Fragen

Wann sollte man kostenlosen Versand anbieten?

Dann, wenn die Schwelle mehr Rohertrag in der Aktion bringt, als sie an Versandkosten kostet. Der Handelsdienst Onlinemarktplatz formuliert dieselbe Bedingung allgemeiner: ein Gratisversand ab 29 Euro kann sinnvoll sein, wenn Warenwert, Marge und Paketprofil passen. Rechnen Sie das an Ihren eigenen Zahlen durch, denn kostenloser Versand kostet einen festen Betrag je Bestellung, unabhängig vom Bestellwert, während ein Prozentrabatt mit dem Warenkorb mitwächst. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Bestellungen, die Sie mit der Schwelle nach oben ziehen, und Bestellungen, die den Betrag regulär ohnehin erreichen. Für die Mechanik gilt: Soll die Regel dauerhaft für alle in einer Versandzone gelten, nehmen Sie den Versandtarif. Soll sie befristet laufen oder nur für bestimmte „Kundensegmente“ oder „Märkte“, nehmen Sie den Rabatt „Kostenloser Versand“.

Wie kann ich Rabatte in Shopify kombinieren?

Über den Block „Kombinationen“ in der Rabatteinstellung. Dort geben Sie je Rabatt frei, mit welchen Rabattklassen er zusammen laufen darf: Produktrabatte, Bestellrabatte, Versandrabatte. Ein Rabatt vom Typ „Kostenloser Versand“ ist ein Versandrabatt, und ob er neben einem Produktrabatt greift, entscheidet dieser Block und nicht der Rabattcode. Wichtig ist dabei, dass die Freigabe in beiden beteiligten Rabatten gesetzt sein muss, eine einseitige Freigabe reicht nicht. Ist die Kombination nicht erlaubt und treffen beide Rabatte auf denselben Warenkorb, wendet Shopify den besten Rabatt für den Warenkorb an. Welche Kombinationen bei „Kaufe X, erhalte Y“ nicht funktionieren, ist hier im Detail beschrieben: Kaufe X, erhalte Y in Shopify richtig einrichten.

Ist „Kaufe eins, erhalte eins gratis“ dasselbe wie „50 % Rabatt“?

Beim Rabattsatz ja: zwei gleich teure Artikel zum Preis von einem sind 50 % auf das Paar. Der Unterschied liegt in der Menge und damit im Wareneinsatz, und die ganze Rechnung dazu steht in einem eigenen Beitrag: Ist BOGO in Shopify dasselbe wie 50 % Rabatt?

Wie werden Versandkosten berechnet?

Shopify rechnet die Versandkosten, die Ihre Kundschaft im Checkout zahlt, aus dem Versandprofil: Zuerst greift das Profil, in dem das Produkt liegt, darin die Versandzone des Lieferlandes, darin der passende Tarif. Ein Tarif ist entweder ein eigener Betrag mit einer Bedingung nach Bestellwert oder nach Gewicht, oder ein berechneter Tarif Ihres Versanddienstleisters. Zwei Punkte sorgen dabei regelmäßig für Verwirrung. Erstens sind die Versandkosten, die Ihre Kundschaft zahlt, und die Versandkosten, die Sie dem Versanddienstleister zahlen, zwei verschiedene Beträge, und nur der zweite gehört in Ihre Rohertragsrechnung. Zweitens dokumentiert Shopify nicht, ob die Bedingung Bestellwert vor oder nach Rabatten und mit oder ohne Umsatzsteuer rechnet. Prüfen Sie das mit einer Testbestellung, bevor Sie eine Schwelle wie 50 € festlegen.

VersandkostenSchwellenwertShopify Admin

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Daniel Ha1. Sept. 2026

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